Seit 1. Juli 2026 verkauft Microsoft für die B-Serie v1 keine Reservierungen mehr. Für Controlling und FinOps stellen sich dadurch andere Fragen als für die IT: was die Rechnung macht, welche Bindungen noch sinnvoll sind und bis wann entschieden sein muss.
Laufen bestehende Reservierungen weiter?
Ja, bis zum Ende ihrer Laufzeit. Danach verlängert Azure sie nicht, auch wenn die automatische Verlängerung eingeschaltet ist. Ab diesem Tag wird die VM zum Bedarfspreis abgerechnet, ohne dass sich in der Umgebung etwas ändert.
Wie stark steigen die Kosten danach?
Microsoft weist auf seiner Preisseite für ältere Generationen für die Bs-Serie rund 54 Prozent Ersparnis bei dreijähriger und rund 32 Prozent bei einjähriger Bindung aus. Ohne Bindung kostet dieselbe VM also etwa das 2,2-Fache beziehungsweise das 1,5-Fache.
In der Kostenanalyse zeigt die amortisierte Ansicht, gruppiert nach Preismodell, welcher Verbrauch bereits ohne Rabatt läuft.
Warum sehe ich keine Reservierungen, obwohl mir die Subscription gehört?
Reservierungen werden auf Abrechnungsebene verwaltet. Rechte auf einer Subscription reichen nicht, um sie zu sehen, auch nicht als Besitzer. Nötig ist Leserecht auf Abrechnungs- oder Reservierungsebene. Fehlt es, erscheint die Liste leer, und das sagt nichts über den tatsächlichen Bestand.
Lässt sich eine Bv1-Reservierung umtauschen?
Ja, etwa in eine Reservierung für Bsv2 oder Basv2. Bis 1. Februar 2027 ist das frei möglich. Ab diesem Tag stellt Microsoft den Umtausch für Dienste ein, die ein Savings Plan abdeckt. Jeder berechtigten Reservierung, die vorher gekauft wurde, bleibt dann ein letzter Umtausch.
Sinnvoll ist der Umtausch erst, wenn Zielgröße und Region feststehen. Wer den letzten Umtausch nach dem Stichtag für eine falsche Größe verwendet, hat keinen weiteren.
Ist ein Savings Plan die bessere Wahl?
Für Umgebungen, die sich in den nächsten Monaten verändern, meistens ja. Der Savings Plan bindet einen Stundenbetrag statt eines VM-Typs, gilt über Familien und Regionen hinweg und deckt auch Bv1 weiterhin ab.
Bei der Höhe gibt es zwei Fallstricke. Reservierungen werden vor dem Savings Plan angerechnet, der Betrag muss also auf den Rest ausgelegt sein. Und er sollte sich am Verbrauch nach der Modernisierung orientieren, nicht an der heutigen Rechnung. Nicht verbrauchte Stunden verfallen.
Wann ist gar keine Bindung richtig?
Bei VMs, die in wenigen Monaten abgelöst oder stillgelegt werden. Microsoft schreibt dazu in seinem Übergangsleitfaden, das solle eine bewusste Entscheidung sein und kein zufälliges Ergebnis. Praktisch heißt das: Jede ungebundene VM bekommt ein Enddatum und einen Verantwortlichen.
Gibt es Ausnahmen für große Bestände?
Nein. Microsoft plant weder Ausnahmen noch Verlängerungen und verweist auf das Account-Team, auf Modernisierung und auf alternative Bindungsmodelle.
In welcher Reihenfolge wird entschieden?
- Zielzustand je VM festlegen: ablösen, zusammenlegen oder stilllegen.
- Reservierungen für stabile Last im Zielzustand umtauschen, solange das frei möglich ist.
- Den Savings Plan auf die verbleibende Last nach der Migration auslegen.
- Den ungebundenen Rest mit Enddatum versehen.
Wo die Analyse ansetzt
Die meisten dieser Antworten hängen von Daten ab, die selten an einer Stelle liegen: Reservierungsbestand, Ablaufdaten und der geplante Zielzustand je VM. Die Kosten- und Migrationsanalyse führt sie zusammen und leitet daraus Umtausch, Savings-Plan-Betrag und den bewusst ungebundenen Rest ab. Drei bis fünf Wochen, Festhonorar, die Umsetzung bleibt bei Ihrem Team.
Quellen (Stand 10. Oktober 2026)
- Azure Update 560948: Ende der Reserved VM Instances für ausgewählte Serien ab 1. Juli 2026
- Microsoft Learn: Transition guide for retired Azure Reserved VM Instances
- Azure Update 568514: Reservierungsumtausch für Dienste mit Savings-Plan-Abdeckung endet am 1. Februar 2027
- Microsoft Learn: VM size series retirements, capacity growth restrictions, and modernization guidance
- Microsoft: Legacy Generation Virtual Machines Pricing (Bs-Serie)